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Assassins Creed Shadows

Mai 3, 2026 - Lesezeit: 7 Minuten

Gute 4 1/2 Jahre nach Valhalla mache ich mich nun an den neusten Hauptteil der Assassins Creed Reihe. Dazwischen gab es noch den für mich durchaus gelungenen kleinen Ableger Mirage und erfreulicherweise die gratis Frische-Kuren für Syndicate und mittlerweile auch für Unity. Vor allem Syndicate taugt sicherlich für den ein oder anderen Vergleich, da dort bereits zwei spielbare Hauptcharaktere zur Verfügung standen und dies auch in Shadows wieder der Fall ist.

Bekannterweise wurde in der Community schon länger Japan als Schauplatz gefordert und nun da Japan aktuell einen Hype erlebt hat man sich auch bei Ubisoft entschlossen, dass es an der Zeit ist dem Land zur Zeit des Feudalismus einen Besuch zu gewähren. Das tut man in wirklich wunderschöner Grafik, die vor allem mit den neuen Wetter- und Jahreszeiten Effekten punktet. So ist die gesamte Spielwelt mal in der Kirschblüte, dann komplett begrünt, später im stimmigen Herbst und am Ende des Jahres dann, je nach Höhenlage, komplett verschneit. Dazu kommen tolle Regen, Wind und Nebeleffekte sowie wunderschöne Sonnen Auf- und Untergänge. Mein persönliches Highlight bleibt zwar weiterhin Odyssey, aber das hat mehr mit dem mediterranem Flair zu tun und Shadows setzt sich als neuster Titel grafisch schon an die Spitze der Reihe.

Tolle stimmungsvolle Grafik

Hart betrachtet war es das dann aber schon mit den richtig guten Neuigkeiten, denn alles andere war für mich leider an vielen Stellen unrund. Die tolle Grafik bleibt ein reines Stilmittel, hat hier und da minimale Auswirkungen auf das Gameplay, wird aber nicht richtig konsequent eingebunden. D.h. für die Story ist es nicht relevant, welche Tages- oder Jahreszeit grade herrscht. Ja bei Nacht ist schleichen, wegen der Schatten die man gut nutzen kann etwas leichter und stimmiger, aber wenn man ehrlich ist war es das und hatte auf meine Spielweise keinen Einfluss. Es gibt keine Regionen oder Quests die gewisse Umgebungsbedingungen voraussetzen oder diese thematisch sowie optisch einbinden. Das ist aus meiner Sicht definitiv verschenkt. Verschenkt ist leider auch die Aufteilung auf zwei Charaktere, die sich zwar unterschiedlich spielen, was sich aber letztendlich auf zwei relevante Dinge reduziert. Schaden und Bewegung. Naoe die Shinobi spielt sich Assassins-Creed-Like, ist flink unterwegs, kann gut klettern, schleichen und kämpfen, verträgt aber deutlich weniger Treffer als Yasuke, der stämmige Samurai. Dieser rumpelt sich schwergängig durch die Spielwelt, teilt gnadenlos aus und verträgt auch deutlich mehr Treffer. Das passt eigentlich, wäre da nicht der Punkt das es viele Stellen gibt, die Yasuke einfach nicht erreichen kann, weil er halt maximal über einen Zaun klettern, lieber aber einfach hindurchrennt. Höher gelegene Aussichtspunkte auf Gebäuden oder in der Natur zu erreichen kann man aber oftmals vergessen, was ärgerlich ist da man teilweise wenige Meter von einen Sammelobjekt entfernt den Charakter wechseln muss.

Kirschblüte

Und dann ist da noch der größte Schwachpunkt des Spiels. Die Story. Die war schon bei Valhalla grade so zweckdienlich und ist bei Shadows leider noch schwächer. Zwar stimmen die Eckpfeiler um Rache, natürlich eine große und viele, viele kleine Geheimorganisation sowie viel japanischer Kultur von der Teezeremonie, über Burgen, Tempel, Daikane und Daimyōs bis hin zum Shogun und den verschiedenen Damen ist alles drin, aber es gelingt zu absolut keiner Zeit das alles zu einem mitreißendem Ganzen zu verpacken. So hat man auch erst nach einem ewig langem Prolog, der letztendlich gute 8-10 Stunden umfasst, von denen man aber die Hälfte der Zeit nur den durchschnittlichen Cutscenes folgt, die Möglichkeit beide Charaktere zu steuern. Zu dem Zeitpunkt hat man aber im Gegenzug dann schon einen riesigen Questbaum sowie 20 andere Charaktere und Figuren eingeführt. Die sind für sich gesehen eigentlich alle nicht schlecht wie z.B. Tomiko, die euer Versteck am Laufen hält, der kleine muntere Junge Junjiro oder die Verbündeten, die man für seinen Geheimbund anwerben kann. Aber es funktioniert kaum im Geamtbild. Der immer gleiche Aufbau der Quests ist extrem eintönig und nervt spätestens dann wieder so richtig, wenn nach einem Dialog mit dem Questgeber die Fortsetzung möglichst weit weg vom aktuellen Standort stattfindet und man erstmal wieder fünf Minuten reiten muss nur um das Gespräch fortzuführen oder abzuschließen. Da habe ich echt daran gezweifelt ob ich überhaupt weiterspiele und nur die wirklich schönen Landschaften retten den Titel hier. Die hat aber auch so seine Tücken, denn Abseits der Wege und Dörfer kommt man oftmals wegen der dichten Vegetation nicht vorwärts, steckt plötzlich im Unterholz fest oder kann einen Felsen, egal mit welchem Charakter nicht hochklettern. Diese bilden zwar ein Duo, haben miteinander aber eine ähnliche Chemie wie zwei nebeneinander liegende Steine. Streitigkeiten, Emotionen, irgendeine Entwicklung miteinander? Fehlanzeige oder alles nur halbgar. Das war mit den Geschwistern Frye in Syndicate, deutlich besser. Überhaupt ist im direkten Vergleich mit Syndicate die Sinnhaftigkeit zweier Charaktere deutlich mehr gegeben, als in Shadows. Yasuke hätte auch ein einfach ein nicht spielbarer Verbündeter, mit höherem Story-Anteil sein können. Ab dem Moment wo ich mit Naoe ausreichende Fähigkeiten erlangt hatte um nicht in jedem Gefecht durch zwei Hiebe zu sterben, habe eigentlich nur noch mit ihr gespielt, sofern das Quest keinen Charakter vorschrieb.

Die Kämpfe sind auch wieder so eine Sache, generell machen sie Spaß, wirken komplexer als in vorherigen Titeln und vor allem die unterschiedlichen Waffen und Spezialattacken bieten einem viele Möglichkeiten sich zu entwickeln und nach eigener Präferenz zu spielen, dass ist wirklich gelungen. Natürlich ist da jedoch auch wieder ein Aber. Zum einen geht die Übersicht, vor allem bei vielen Gegnern öfter mal verloren, das klappte bei Odyssey und Valhalla, im direkten Vergleich mit z.B. den Eroberungsschlachten und Raubzügen schon deutlich besser. Zum anderen sind einige Schergen deutlich zäher als sie sein müssten und es wirkt etwas seltsam und durchaus öfter frustrierend, wenn ein einfacher Bandit im gleichen oder leicht höheren Level wie man selbst, einen mit einem Treffer (vor allem mit der Naginata) fast niederstreckt, im Gegenzug aber mehrere Spezialattacken aushält.

Naeo, Yasuke und Jinjirou

Das klingt am Ende alles vielleicht schlechter als es wirklich ist. Immerhin bin ich dann doch dran geblieben und habe den Titel beendet (ca. 60 Stunden Spielzeit über gut 3-4 Monate verteilt). Shadows hat einen großen Umfang, eine wunderschöne Grafik, ein paar Neuerungen, die aber nicht besonders ins Gewicht fallen und bleibt im Kern immer ein Assassin's Creed. Leider mit einer Story, die keinen wirklichen Reiz versprüht, die einen roten Faden gebraucht hätte, den man ihr nicht gibt. So beendet man die inspirationslosen Quests relativ emotionslos, weil man es abschließen möchte ("Ach komm den einen erwische ich auch noch"), aber zu selten, weil man wissen möchte wie die Geschichte weitergeht oder eine neue Region erkunden will. Die zwei Charaktere? Geschenkt, Naoe hätte locker ausgereicht, hätte das Spiel vielleicht sogar alleine besser gemacht. So bleibt Shadows leider ein irgendwie unrunder Titel. 7/10