Gute 4 1/2 Jahre nach Valhalla mache ich mich nun an den neusten Hauptteil der Assassins Creed Reihe. Dazwischen gab es noch den für mich durchaus gelungenen kleinen Ableger Mirage und erfreulicherweise die gratis Frische-Kuren für Syndicate und mittlerweile auch für Unity. Vor allem Syndicate taugt sicherlich für den ein oder anderen Vergleich, da dort bereits zwei spielbare Hauptcharaktere zur Verfügung standen und dies auch in Shadows wieder der Fall ist.
Bekannterweise wurde in der Community schon länger Japan als Schauplatz gefordert und nun da Japan aktuell einen Hype erlebt hat man sich auch bei Ubisoft entschlossen, dass es an der Zeit ist dem Land zur Zeit des Feudalismus einen Besuch zu gewähren. Das tut man in wirklich wunderschöner Grafik, die vor allem mit den neuen Wetter- und Jahreszeiten Effekten punktet. So ist die gesamte Spielwelt mal in der Kirschblüte, dann komplett begrünt, später im stimmigen Herbst und am Ende des Jahres dann, je nach Höhenlage, komplett verschneit. Dazu kommen tolle Regen, Wind und Nebeleffekte sowie wunderschöne Sonnen Auf- und Untergänge. Mein persönliches Highlight bleibt zwar weiterhin Odyssey, aber das hat mehr mit dem mediterranem Flair zu tun und Shadows setzt sich als neuster Titel grafisch schon an die Spitze der Reihe.

Hart betrachtet war es das dann aber schon mit den richtig guten Neuigkeiten, denn alles andere war für mich leider an vielen Stellen unrund. Die tolle Grafik bleibt ein reines Stilmittel, hat hier und da minimale Auswirkungen auf das Gameplay, wird aber nicht richtig konsequent eingebunden. D.h. für die Story ist es nicht relevant, welche Tages- oder Jahreszeit grade herrscht. Ja bei Nacht ist schleichen, wegen der Schatten die man gut nutzen kann etwas leichter und stimmiger, aber wenn man ehrlich ist war es das und hatte auf meine Spielweise keinen Einfluss. Es gibt keine Regionen oder Quests die gewisse Umgebungsbedingungen voraussetzen oder diese thematisch sowie optisch einbinden. Das ist aus meiner Sicht definitiv verschenkt. Verschenkt ist leider auch die Aufteilung auf zwei Charaktere, die sich zwar unterschiedlich spielen, was sich aber letztendlich auf zwei relevante Dinge reduziert. Schaden und Bewegung. Naoe die Shinobi spielt sich Assassins-Creed-Like, ist flink unterwegs, kann gut klettern, schleichen und kämpfen, verträgt aber deutlich weniger Treffer als Yasuke, der stämmige Samurai. Dieser rumpelt sich schwergängig durch die Spielwelt, teilt gnadenlos aus und verträgt auch deutlich mehr Treffer. Das passt eigentlich, wäre da nicht der Punkt das es viele Stellen gibt, die Yasuke einfach nicht erreichen kann, weil er halt maximal über einen Zaun klettern, lieber aber einfach hindurchrennt. Höher gelegene Aussichtspunkte auf Gebäuden oder in der Natur zu erreichen kann man aber oftmals vergessen, was ärgerlich ist da man teilweise wenige Meter von einen Sammelobjekt entfernt den Charakter wechseln muss.

Und dann ist da noch der größte Schwachpunkt des Spiels. Die Story. Die war schon bei Valhalla grade so zweckdienlich und ist bei Shadows leider noch schwächer. Zwar stimmen die Eckpfeiler um Rache, natürlich eine große und viele, viele kleine Geheimorganisation sowie viel japanischer Kultur von der Teezeremonie, über Burgen, Tempel, Daikane und Daimyōs bis hin zum Shogun und den verschiedenen Damen ist alles drin, aber es gelingt zu absolut keiner Zeit das alles zu einem mitreißendem Ganzen zu verpacken. So hat man auch erst nach einem ewig langem Prolog, der letztendlich gute 8-10 Stunden umfasst, von denen man aber die Hälfte der Zeit nur den durchschnittlichen Cutscenes folgt, die Möglichkeit beide Charaktere zu steuern. Zu dem Zeitpunkt hat man aber im Gegenzug dann schon einen riesigen Questbaum sowie 20 andere Charaktere und Figuren eingeführt. Die sind für sich gesehen eigentlich alle nicht schlecht wie z.B. Tomiko, die euer Versteck am Laufen hält, der kleine muntere Junge Junjiro oder die Verbündeten, die man für seinen Geheimbund anwerben kann. Aber es funktioniert kaum im Geamtbild. Der immer gleiche Aufbau der Quests ist extrem eintönig und nervt spätestens dann wieder so richtig, wenn nach einem Dialog mit dem Questgeber die Fortsetzung möglichst weit weg vom aktuellen Standort stattfindet und man erstmal wieder fünf Minuten reiten muss nur um das Gespräch fortzuführen oder abzuschließen. Da habe ich echt daran gezweifelt ob ich überhaupt weiterspiele und nur die wirklich schönen Landschaften retten den Titel hier. Die hat aber auch so seine Tücken, denn Abseits der Wege und Dörfer kommt man oftmals wegen der dichten Vegetation nicht vorwärts, steckt plötzlich im Unterholz fest oder kann einen Felsen, egal mit welchem Charakter nicht hochklettern. Diese bilden zwar ein Duo, haben miteinander aber eine ähnliche Chemie wie zwei nebeneinander liegende Steine. Streitigkeiten, Emotionen, irgendeine Entwicklung miteinander? Fehlanzeige oder alles nur halbgar. Das war mit den Geschwistern Frye in Syndicate, deutlich besser. Überhaupt ist im direkten Vergleich mit Syndicate die Sinnhaftigkeit zweier Charaktere deutlich mehr gegeben, als in Shadows. Yasuke hätte auch ein einfach ein nicht spielbarer Verbündeter, mit höherem Story-Anteil sein können. Ab dem Moment wo ich mit Naoe ausreichende Fähigkeiten erlangt hatte um nicht in jedem Gefecht durch zwei Hiebe zu sterben, habe eigentlich nur noch mit ihr gespielt, sofern das Quest keinen Charakter vorschrieb.
Die Kämpfe sind auch wieder so eine Sache, generell machen sie Spaß, wirken komplexer als in vorherigen Titeln und vor allem die unterschiedlichen Waffen und Spezialattacken bieten einem viele Möglichkeiten sich zu entwickeln und nach eigener Präferenz zu spielen, dass ist wirklich gelungen. Natürlich ist da jedoch auch wieder ein Aber. Zum einen geht die Übersicht, vor allem bei vielen Gegnern öfter mal verloren, das klappte bei Odyssey und Valhalla, im direkten Vergleich mit z.B. den Eroberungsschlachten und Raubzügen schon deutlich besser. Zum anderen sind einige Schergen deutlich zäher als sie sein müssten und es wirkt etwas seltsam und durchaus öfter frustrierend, wenn ein einfacher Bandit im gleichen oder leicht höheren Level wie man selbst, einen mit einem Treffer (vor allem mit der Naginata) fast niederstreckt, im Gegenzug aber mehrere Spezialattacken aushält.

Das klingt am Ende alles vielleicht schlechter als es wirklich ist. Immerhin bin ich dann doch dran geblieben und habe den Titel beendet (ca. 60 Stunden Spielzeit über gut 3-4 Monate verteilt). Shadows hat einen großen Umfang, eine wunderschöne Grafik, ein paar Neuerungen, die aber nicht besonders ins Gewicht fallen und bleibt im Kern immer ein Assassin's Creed. Leider mit einer Story, die keinen wirklichen Reiz versprüht, die einen roten Faden gebraucht hätte, den man ihr nicht gibt. So beendet man die inspirationslosen Quests relativ emotionslos, weil man es abschließen möchte ("Ach komm den einen erwische ich auch noch"), aber zu selten, weil man wissen möchte wie die Geschichte weitergeht oder eine neue Region erkunden will. Die zwei Charaktere? Geschenkt, Naoe hätte locker ausgereicht, hätte das Spiel vielleicht sogar alleine besser gemacht. So bleibt Shadows leider ein irgendwie unrunder Titel. 7/10
Assassin´s Creed Unity hatte mich zu seiner Zeit ziemlich abholt. Das Setting in Paris, zu Zeiten der französischen Revolution, ist extrem gelungen umgesetzt und bis heute hat das Spiel eine der besten und atmosphärischten Geschichten der Reihe. Wegen des schlechten Zustands bei der Veröffentlichung ist das Spiel aber auch bis heute wohl oftmals unter dem Radar und als Referenz in der AC-Reihe wohl bei vielen nicht präsent. Ich selber habe es nie unter Version 1.5 gespielt und kann/will somit nicht auf alten Fehlern herumreiten. Scheinbar sind desolate Release-Versionen für geduldige sowieso eher eine gute Sache, denn auch bei Cyberpunk 2077 ist am Ende ein grandioser Titel herausgekommen. Als Syndicate dann Ende 2015 erschien, denn "damals" gab es noch jedes Jahr einen Ableger der Reihe, hatte ich jedoch schlicht und einfach keine Lust auf London. Irgendwann wanderte der Titel dann über Games with Gold in meine Bibliothek und aus einer Laune heraus oder vielleicht auch aus der gewonnen Erfahrung heraus, dass ich mit AC:Shadows besser noch warte, habe ich es mir nun fast 10 Jahre nach Release installiert und durchgespielt. Syndicate hat mich dabei durchaus überrascht und was mir dabei gut, aber ab und zu auch nicht so gut gefallen hat, führt die nachfolgende Liste auf:
Plus:
Neutral:
Contra:

Syndicate ist ein gelungener Reihenteil, der sich durch das 4K-Update und das gute Gameplay auch heute noch hervorragend spielen lässt. Vor allem wenn man Lust auf ein eher klassisches Assassin´s Creed hat. Mit Jacob und Evie Frye gibt es außerdem zwei gelungene Protagonisten, die man abwechselnd spielt. 7,5/10
Das Star Wars Universum wächst oder wuchert gar auf allen Medien und in alle Richtungen. So hatte ich ein weiteres Star Wars Spiel nur als Randnotiz wahrgenommen, auch weil ausgenommen der Lego Titel, mich nie wirklich eines begeistern konnte. Tatsächlich hat der coole Stand auf der Gamescom 2024, dann doch mein Interesse an Outlaws geweckt und als es dann nur wenige Wochen später erschien, habe ich einfach mal zugeschlagen, sicherlich auch weil 3rd-Person Action-Adventure mittlerweile doch mein favorisiertes Genre sind.
Kurz und knapp, das Spiel ist äußerst gelungen. Im großen und ganzen hat Ubisoft bzw. Massive Entertainment Gameplay Elemente aus Assassins Creed, dem Tomb Raider Reboot, Far Cry und Uncharted genommen und daraus ein Star Wars Open-World Spiel gebaut. Dass dies so gut funktioniert, ist neben der starken technischen Umsetzung vorrangig dem Hauptcharakter Kay Vess und natürlich dem tierischen Begleiter Nix zu verdanken. Die Story um die beiden ist einfach gelungen, sympathisch erzählt und bewegt sich Abseits der Hauptsaga, ähnlich der Mandalorian-Serie und dem Solo-Film, zudem es auch ein paar direkte Bezüge gibt und das nicht nur weil man unverkennbar einen weiblichen Han Solo spielt. Mit Macht, Jedi und Lichtschwertern hat man also nichts zu tun, wohl aber mit Rebellen und dem Imperium. Hauptsächlich versucht man jedoch, in der Gunst der Syndikate aufzusteigen und alles nötige an Crew, Erfahrung und Können zusammenzubekommen, um einen finalen Raubzug gegen einen der Unterweltbosse durchzuführen. Dazu erkundet, schleicht und kämpft man sich durch vier Planeten sowie die dazugehörigen Orbit-Areale. Das ist alles sehr abwechslungsreich gestaltet: Steppe, Wüste, Schnee und Dschungel auf den Planeten, Meteoriten, Trümmer und Nebelfelder sowie Raumstationen im Orbit. Positiv aus meiner Sicht, die Areale sind zwar groß, aber nicht gigantisch und nach einiger Spielzeit stellt sich ein gewisser Bekanntheitsgrad ein. Zur Fortbewegung gibt es einen coolen Gleiter sowie natürlich ein Raumschiff. Beides lässt sich mit Upgrades versehen, genau wie Kays Ausrüstung und der tierische Begleiter Nix, dem man kleinere Befehle geben kann, was sich vor allem in den Schleichpassagen als extrem nützlich und auch spaßig erweist. Außerdem dient er auch als “Adlerauge”.

Technisch spielt sich der Titel extrem rund, die Steuerung hat mich nie im Stich gelassen und vor allem die Kletterpassagen sind angenehm flüssig. In den Weltraumgefechten lässt sich eine gewisse Hektik kaum vermeiden, dennoch machen sie Spaß. Ähnliches gilt für die größeren Schießereien am Boden.
Die Grafik ist vor allem sehr detailreich und wirklich schön gestaltet. Im Gegensatz zu z.B. Starfield wirkt hier gar nichts steril und leer, man hat den Eindruck, die Leveldesigner haben wirklich alles gegeben. Besonders cool sind die immer wieder vorkommenden “Lost-Places”, wie abgestürzte Kreuzer, eine verlassene Klonfabrik oder die Trümmerfelder vergangener Weltraumschlachten. Auch die imperialen Basen, in denen die ständigen Beschwerden der Wachen zum Schmunzeln anregen und Weltraumstationen machen einiges her sowie die Schneestadt Kajimi. Ab und zu gibt es mal ein paar Probleme mit ein paar Pop-Ups und der Texturenschärfe, aber nichts, was ins Gewicht fällt. Es ist kein Cyberpunk, aber doch wirklich sehr schick.
Dazu kommt ein wirklich toller Soundtrack, der die Atmosphäre deutlich anhebt. So wird beispielsweise ein Raumschiffstart in den Orbit zu einer einfach überragenden Sache. Die Synchronisation ist gelungen und vor allem auf deutsch nicht mit den immer gleichen Stimmen besetzt.
Kleinere Kritikpunkte finden sich natürlich, so hätte ich mir mehr Schnellreiseziele gewünscht, da wie in vielen Open-World Spielen leider üblich die Wege mal länger sein können, als sie müssten. Regelmäßig irrt man zudem etwas herum, um den ein oder anderen Einstiegspunkt in eine Nebenmission zu finden. Cool wäre auch gewesen, man hätte sich bei einzelnen Missionen zwischen Nix und ND5, dem Kampfdroiden, als Begleitung entscheiden können, um zu schleichen oder direkt aggressiv vorzugehen.

Die Entwickler von Star Wars: Outlaws haben die schwierige Hürde gemeistert, von allem einen gewissen Umfang zu bieten und diesen dann richtig auszuarbeiten, statt noch mehr Welten, Möglichkeiten oder Story-Verwirrungen einzubauen um das Spiel größer, aber halt nicht besser oder lebendiger zu machen. Ich kann mich auch an keinen Titel erinnern, indem mir ein integriertes Mini-Game tatsächlich mehrfach Spaß gemacht hat und ich dieses gar freiwillig zwischendurch aufgesucht habe, wie hier das Kartenspiel Kessel-Sabbac. Das Fähigkeiten und Verbesserungen der Ausrüstung vorrangig durch Aktivitäten erworben oder verbessert werden können, ist für mich ein weiterer großer Pluspunkt. Es motiviert einfach so viel mehr, die ein oder andere Nebenmission zu absolvieren und vermittelt ein viel besseres Gefühl von Fortschritt, als stumpfes sammeln, sammeln, sammeln.
Die Entscheidung, eine recht frische Story im Star Wars Universum zu bieten, die sich aber bewusst nicht um die ganz großen Themen dreht, war für mich goldrichtig, da sie sehr gelungen präsentiert und erzählt wird, sowie mit einer sympathischen Heldin punktet. Wegen der vielen tollen Details fühlt man sich wirklich eingebunden in das Star Wars Universum, zumal es natürlich genügend Bezüge und Bekannte aus den Filmen und Serien gibt. Ich freue mich auf die noch kommenden zwei Add-Ons für Kays Abenteuer und vielleicht ja in ein paar Jahren auch auf einen Nachfolger. 9/10
Spielzeit: ca. 40 Stunden, wenn man auch einige Nebenmissionen und kleinere Quests mitnimmt, sowie alle Fähigkeiten erlangt.

Grundsätzlich war mir der Titel natürlich ein Begriff, aber so richtig in meinen Fokus ist er tatsächlich erst durch den Trailer zur TV-Serie gerutscht. Also den grad passenden Moment sowie die freien Tage zum Ende des Jahres genutzt und die Sache angespielt. Gute 40 Spielstunden später zeigen, es hat mich wohl gepackt, auch emotional angesprochen und ist somit durchaus ein paar Worte wert.
Der erste Teil, auf den ca. ⅓ der Spielzeit entfallen ist wirklich eine Runde Sache und verdient die vielen guten Worte und es ist wenig verwunderlich das es nun auf Basis des ersten Teils auch die Serie gibt. Bis auf eine Schlüsselszene am Ende. Diese öffnet durch nicht gestellte Fragen,Tür und Tor zu den Problemen, unter denen dann auch der zweite Teil (leider) leidet. Aber abgesehen davon gibt es einen sehr guten Erzählrhythmus, abwechslungsreiche Szenen oder fast schon klassische Level, in denen Mal gekämpft, dann erkundet, dann gefahren oder geritten, dann geklettert und viel geschlichen wird. Natürlich alles Elemente die es schon gab, aber hier werden Sie sehr gelungen verknüpft. Durch den stetigen Fortschritt der Reise und den Wechsel der Jahreszeiten, sowie die fortschreitende Charakterzeichnung entsteht ein extrem guter Rhythmus. Emotional und spannend verpackt und auch grafisch wirklich gelungen gestaltet. Und ja, die Basis für die zu Grunde legende Welt sind Untote, aber dennoch sind diese hier eher Mittel zum Zweck, als dass sie das Spiel definieren. Ein wirklich gelungener Titel.
Der zweite Teil ist dann, wie so oft, vor allem größer und letztenlich bin ich der Meinung, die Entwickler haben sich etwas übernommen. Grundsätzlich völlig in Ordnung, vielleicht sogar löblich, andere Wege im Storytelling einzuschlagen und nicht einfach den ersten Teil zu kopieren, aber hier stimmte die Balance leider nicht, die den ersten Teil noch so stark machte. Es gibt zu viele Charaktere, zu oft wechseln die Begleitungen, zu oft die Perspektiven. Unter dem Strich würde ich sagen, geht die Story mit ihren vielen Verknüpfungen und Handlungssträngen sogar auf, aber nicht so richtig für ein Videospiel, sie zieht sich für den Spieler, der Sie eigentlich nur Episodenhaft begleitet und die eine Story in der Story, in der Story-Story beinhaltet. Das Spiel lebt von der Grundspannung, dass man erfahren will, wie es letztendlich ausgeht, aber spätestens ab ca. der Hälfte nicht mehr davon, dass man auch diesen Weg dorthin gehen will. Wäre dies der erste Teil gewesen, vielleicht wäre das anders, aber als zweiter Teil ist es schwierig. Das der Loot-Faktor des Spiels dann ebenfalls mindestens verdoppelt wurde, trägt auch nicht so richtig zum Spaß bei. 10 Schubladen für 3 Patronen zu öffnen ist für mich kein Gameplay, da wäre weniger mehr. Die Hintergrundinfos die man sammeln kann sind zudem interessant, haben aber leider kaum Effekt die Handlung besser zu verstehen bzw. diese agiert eher so, als hätte man diese Infos halt nicht gesammelt. Warum belohnt man den Spieler hier nicht mit Antworten auf offene Fragen, sondern gibt eher noch Gelegenheit für weitere Fragen?
Abgesehen davon präsentiert sich das Spiel grafisch, spielerisch und atmosphärisch auf höchstem Niveau. Die Emotionen sind stark dargestellt und ein Grund dafür, dass einen das Spiel emotional so packt, selten habe ich so bei einem Spiel gehadert und mitgefiebert, auch nach dem Ende noch darüber nachgedacht. Mission erfüllt werden die Entwickler sagen, Mission aber irgendwie auch erzwungen würde ich sagen. Definitiv ebenfalls ein Titel, der in Erinnerung bleibt, aber er hätte für mich noch besser sein können, runder, nicht so tief und gleichzeitig aber auch so flach. The Last Of Us Part 2 polarisiert stark.
Der oftmals geäußerte Punkt, die Gegner wären nicht clever genug, haben mich übrigens in beiden Teilen überhaupt nicht gestört. Ich fand auf “normal” oft genug den Tod und verspüre keine große Lust, perfekte Methoden austesten zu müssen, um einen Abschnitt zu überstehen. Spielerisch feiert man so durchaus auch Erfolge, zudem sind beide Teile extrem fair, was die Rücksetzpunkte angeht.
Das größte Problem der Story beider Spiele und vor allem des zweiten Teils ist für mich weder der Tod einiger oder vor allem eines Charakters und auch nicht Diversität. Beides war im Prinzip abzusehen. Vielmehr sind es die Schlüsselszenen, die im Vergleich zu allen anderen Aspekten der Spiele geradezu plump und fast lieblos gemacht sind. Plötzlich wird Raum zur Interpretation gegeben, obwohl man sonst keinen Raum für eigene Entscheidungen bietet. So erfährt man nie, ob Ellie von den Fireflies darüber informiert wurde, dass Sie bei einem Eingriff sterben würde. Bei der emotionalen Bindung, die Sie zu Joel hat und die das Fundament für den kompletten zweiten Teil bietet, ist es einfach völlig unmöglich, dass Sie sich nicht von Joel hätte verabschieden wollen. Auch das die Fireflies hier absolut keine Menschlichkeit zeigen, obwohl Sie diese angeblich bewahren und retten wollen, wirkt unausgereift. Es ist fast schon grotesk, dass dies nie thematisiert wird, auch nicht in Ellies Gedanken oder Tagebuch.
Letztendlich bestätigt vor allem der zweite Teil Joels Entscheidung aus dem ersten Teil komplett. Es wird kein Grund präsentiert, warum diese Menschheit ein Heilmittel verdient hätte. Eher das völlige Gegenteil ist der Fall. Jeder Verlust, den wir als Spieler begleiten, und das ist in beiden Teilen so, wird von Menschen herbeigeführt, bis auf eine Ausnahme, die Ellies Immunität und Antrieb, zumindest im ersten Teil erklärt. Seltsam auch, dass dieses bei all den Rückblenden und Erinnerungen im zweiten Teil nicht einmal eine Erwähnung findet. An den wenigen Momenten, die einem vor allem der zweite Teil mit positiver Grundstimmung anbietet, würde ein Heilmittel nichts ändern. Das wird bewusst von den Entwicklern so gemacht worden sein, aber leider überhaupt nicht aufgegriffen. Auf ähnliche Weise wird Ellies Immunität auch von Dina nie wieder aufgegriffen.
Ebenfalls äußerst kritisch war die Tatsache, sich mit Festtagsbeleuchtung und offenen Fenstern inmitten einer von erbitterten Kämpfen gesäumten Stadt zu präsentieren und sich auch innerhalb des Gebäudes ständig hunderte Meter voneinander weg zu platzieren. Das ist halt noch ärgerlicher, weil das die Basis für weitere Schlüsselszenen in der Story und halt auch im Gameplay ist. Warum gebe ich einer solchen Szene nicht eine bessere Grundlage als einfache Dummheit? In die gleiche Kerbe schlägt auch der Beginn als Joel und Tommy irgendwelche Fremden einfach locker, flockig begrüßen. So wie man das halt die letzten 20 Jahre auch gemacht hat. Nicht.
Die Absicht des Abby Parts in Teil 2 ist klar, hat aber weder für mich noch für viele andere funktioniert, weil es eben Teil 1 und den Anfang von Part II gibt. Abgesehen von der Story war der Teil auch zu reißerisch, der Hochhauspart hätte eigentlich als Highlight gereicht, aber dann muss noch eine Prise Resident Evil (Ground Zero) und noch mehr Tomb Raider (Schiffswrack, Die Insel) untergebracht werden, in der Summe einfach zu viel. Auch das Abby plötzlich ihr Leben für zwei Scars riskiert mit der Begründung “Ich brauchte das”, wirkt in Anbetracht der minimalen Zeitspanne unausgereift und erneut plump dem Spieler so Sympathien für Abby abzuringen. Sehr gelungen hingegen, dass Abby und Ellie sich oft nur knapp verpassen sowie die Begegnung mit Tommy.
In gewisser Weise ist die Handlung der nächsten Teile nun auch schon vorgeschrieben. Es ist nicht davon auszugehen, dass Naughty Dog den eingeschlagenen Story Weg nun ändert und irgendwann ein harmonisches Happy End nach dem “One Last Ride for Good Prinzip” liefert. Somit hat Ellie sowieso zu viele Gräueltaten begangen und wird früher oder später ebenfalls sterben. Ich gehe nicht davon aus, dass es für ein Gegenmittel sein wird, eher für eine Person oder den Glauben an eine Sache. Wenn die Entwickler den harten Weg weiter gehen, vielleicht auch für weniger oder nichts. Ich würde auch vermuten, dass Ellie kein Hauptcharakter mehr in Part III sein wird, bzw. es eher wieder auf eine Episodenhafte Erzählung mehrerer Charaktere, vielleicht auch über mehrere Jahre hinauslaufen wird.
Ich erinnere mich noch als auf der E3 2109 Keanu Reeves auf die Bühne geschlurft kam und als Pate und Charakter für Cyberpunk 2077 das Spiel präsentierte. Naja ok noch ein Open World Kram habe ich gedacht, sieht ganz cool aus, aber damals lag mein Fokus eher auf Gears 5. Dann erschien das Spiel Ende 2020 und war scheinbar unfertig, lief nicht gut oder auch gar nicht, alte Konsolen wie die Xbox One und die PS4 waren zu schwach, es gab Zoff unter den Entwicklern usw. Da ich sowieso mit AC: Valhalla beschäftigt war hatte ich auch kein großes Interesse an noch einem umfangreichen Story-Spiel und mich interessierte das Theater darum einfach nicht.

Anfang 2022 habe ich dann aus einer Laune heraus in einem Xbox Sale zugeschlagen und es absolut nicht bereut. Mag sein das das zum Release vieles schief gelaufen ist, aber im Jahr 2022 und mit dem Patch 1.5 ist Cyberpunk 2077 eines der Besten Spiele die ich überhaupt je gespielt habe. Ja man muss Bock drauf haben und auch Zeit, weil der Story Anteil hoch ist, im Gegensatz zu vielen anderen Spielen aber fesselnd. Zwischendurch mal eine halbe Stunde spielen, dafür ist das Game eher weniger gemacht. Dafür bekommt man aber verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungen die auch Auswirkungen haben und Haupt -und Nebenmissionen die Spaß machen und stimmig sind (ein großes Problem von AC:Valhalla und in meinen Augen auch von GTA) sowie generell großartige Charaktere. Das Spiel läuft flüssig und ich konnte es einwandfrei auf einer Series S spielen. Ja es ist mal abgestürzt und hier und da gibt es auch mal einen Glitch, dadurch das man aber ständig und überall speichern kann oder auch Autosaves gemacht werden war das nie ein Problem und an einer Hand abzählbar. Generell vermute ich hier, wie übrigens noch bei vielen Spielen, ein Problem mit dem Quick Resume der Xbox. Ansonsten ist das Gameplay gut und die deutsche Synchronisation hervorragend gelungen. Die Texturen sind vielleicht nicht die schärfsten die ich je gesehen habe (habe ja auch "nur" eine Series S), aber der detailgrad der Grafik und die dadurch entstandene lebendige Welt ist überragend. Ein solches Paket für 35 € im Sale ist im Prinzip der Wahnsinn und mit dem Patch 1.5 gibt es überhaupt keinen Grund mehr über das Spiel herzuziehen, außer man ist ein verbitterter FPS zählender Troll ;)
*Nachtrag Dezember 2023
Bedingt durch die Phantom Liberty Veröffentlichung habe ich mich entschlossen das Spiel einfach nochmal zu spielen und muss sagen, dass ich es nochmal besser fand, als schon beim ersten Mal. Nun als weibliche, Konzerner V, was das Spiel jetzt nicht völlig auf den Kopf stellt, aber es gibt schon genügend Auswirkungen, so dass es auf jeden Fall ein anderer Durchlauf ist. Außerdem habe ich tatsächlich alle Variationen der Enden durchgespielt, was definitiv zu empfehlen, aber zugegeben nicht immer so richtig befriedigend ist.
Phantom Liberty bringt dann nochmal richtig viel Umfang dazu, bietet auch wieder verschiedene Story-Stränge, so dass es sich auch hier lohnt, einige Passagen mit anderen Entscheidungen zu wiederholen. In Summe sollten das bestimmt 3-4 Stunden alternativer Content sein, bei locker 20 Stunden Plus insgesamt für das Addon. Storymäßig gefällt mir das Hauptspiel aber besser, als die Phantom Liberty Agentengeschichte und auch wenn Dogtown gelungen designt ist, sehe ich mich ebenfalls eher in Night City. Die Variation und Abwechslung, um die das Spiel ergänzt wird, ist dennoch enorm. Denn das Addon bringt nicht einfach nur mehr vom Gleichen, was es auf alle Fälle lohnenswert macht.
So ist Cyberpunk für mich jetzt das beste Open-World-Spiel überhaupt. Fehlt noch ein Durchlauf als Streetkid … vielleicht nächsten Herbst.
Letzter Satz: Was mir beim zweiten Durchlauf verstärkt aufgefallen ist, ist die lebendige Integration der Dialog und Cutszenen. Da wird sich während eines Gesprächs angelehnt, die Gestik gewechselt, der Blick verändert, einfach nur mal an der Nase gekratzt usw. Das habe ich in noch keinem Spiel so gut umgesetzt gesehen. Ein Starfield z.B. wirkt dagegen wie von vor 10 Jahren.
Nach tatsächlich über 100 Stunden Spielzeit (innerhalb von 4 Monaten) nachfolgend ein Fazit zum aktuellen Ableger der Assassins Creed Reihe. Anhand der Spielzeit lässt sich bereits erahnen, es hat Spaß gemacht. Die Grafik ist wirklich wunderschön, brilliert mit tollen Farben, unterschiedlichen Witterungen und einer immensen Weitsicht, erstreckt sich über weite Ebenen und herbtsliche Wälder bishin zu schneebedeckten Regionen. Allerdings nur so richtig schön sofern man auf einer neuen Xbox spielt, auf der „alten“ One kam mir die Grafik hingegen sogar etwas schwächer vor als bei Odyssey. Ist für mich jedoch in Ordnung, da es ein Launch Titel der neuen Generation ist. Kampfsystem und Fähigkeitsbaum entsprechen, abgesehen von kleinen Änderungen, dem von Odyssey und das Leveln des Charakters ist sicherlich einer der Motivationsfaktoren des Spiels. Schön auch das man weiterhin seine Lieblingsausrüstung durch das ganze Spiel tragen und leveln kann. Noch besser, seit irgendeinem Patch kann man sogar das Design anderer Ausrüstungen beim Schmied übernehmen.
Die Kämpfe selbst sind meiner Erinnerung nach die brutalsten der Reihe, vor allem die „Finish-Moves“ haben es teilweise in sich. Das passt aber zum Wikinger-Stil und unter vorgehaltener Hand sage ich: „Macht schon Spaß“. Das Wikinger Setting ist ziemlich stimmig und das der Hauptcharakter Eivor, wie auch in Odyssey, aus männlich und weiblich gewählt und hier sogar fliegend gewechselt werden kann, ist ebenfalls ziemlich cool. Im Gegensatz zu Odyssey lagen meine Sympathien diesmal allerdings bei der weiblichen Version. Das liegt wohl vor allem an der wirklich grandiosen Synchronarbeit von Maria Koschny, welche Eivors unterschiedliche Charakterzüge und Wesen hervorragend rüberbringt. Schon bei Gears 5 hat das mit Kait ähnlich gut funktioniert und für meinen Geschmack, in beiden Fällen ebenfalls deutlich besser als bei den letzten Tomb Raider Teilen (dort empfand ich Nora Tschirner in der Tat als optimale Besetzung).

Gelungene Charaktere - holprig erzählte Story
Leider gehört dann dazu auch der größte Negativpunkt des Spiels. Ubisoft hat es nämlich nicht geschafft dem tollen Hauptcharakter und den generell vielen, größtenteils gelungenen und abwechslungsreichen anderen Charakteren eine flüssige und stimmige Geschichte zu verpassen. Viele Ansätze, wie der sich langsam aufbauende Konflikt mit dem eigenen Bruder und das ständige Streben nach Ruhm und Ehre um fast jeden Preis sind durchaus gelungen. Die Episodenhaften, meistens aus 5 Teilen bestehenden, Kapitel, greifen aber zu selten oder mit zu viel Leerlauf dazwischen ineinander. Spitzt sich ein Konflikt zu, rückt plötzlich etwas ganz anderes in den Fokus und wenn der vorherige Konflikt wiederauftaucht, hat man einige Kernpunkte bereits vergessen oder die Stimmung ist verloren. Da ist es auch wenig förderlich das man teilweise total bescheuerte, teilweise sehr lange Wege bis zur nächsten Unterhaltung oder dem nächsten anknüpfendem Quest zurücklegen muss. Zu selten werden dann die Wege selbst genutzt, um die Geschichte voranzutreiben und nur die wirklich abwechslungsreiche Landschaft Englands, die auch immer wieder Schätze, Räuber und andere Kleinigkeiten offenbart hält hier die Laune bei der Stange. Auch das Ende der Hauptstory fühlt sich dann, wenn man es endlich erreicht hat, irgendwie überhaupt nicht wie ein belohnendes Ende und ein Abschluss an. Eher nervig empfand ich auch die Abstecher nach Asgard, was auch wieder auf die kuriose Story zurückzuführen ist, wohingegen der kurze Exkurs nach Vinland (Nordamerika) meinen Geschmack traf. Auch wegen des großen und zu begrüßenden Umfangs wäre Ubisoft in meinen Augen besser beraten gewesen die Story in weniger kleine Häppchen zu teilen oder das ein oder andere Nebenquest passender freizugeben. Oftmals fühlt es sich auch etwas seltsam an ein Dorf zu beschützen, aber alles darum herum in Schutt und Asche zu legen. Es ist aber gut möglich das man mit Vorkenntnis dieser „Schwäche“ des Spiels, sich selbiges auch besser und stimmiger einteilen kann. Spielerisch gibt es jedoch wenig zu meckern, hier und da hakt das Freeclimbing System nach wie vor in bekannter Manier, großer Frust entstand dabei aber nicht. Die meistens idyllischen Flußfahrten machen Spaß, das der Siedlungsaufbau wieder dabei ist passt hier besser denn je und die dazu benötigten Raubzüge gefallen ebenfalls.

Fazit
So steht unter dem Strich ein toller Titel, der mich grafisch völlig überzeugt hat, eine schöne und abwechslungsreiche Welt präsentiert und erneut einen gelungen Hauptcharakter bietet. Diesen zu entwickeln und auf dem Weg zu Ruhm und Ehre zu begleiten stellt die größere Motivation dar, als der für mich schlecht strukturierten und umständlich erzählten Geschichte zu folgen, auch wenn diese oftmals ebenfalls gelungene Nebencharaktere bietet. Sonderlob auch für den wirklich stimmigen Soundtrack, der makellos an die hohe Qualität der Serie anknüpft und viel zur Atmosphäre beiträgt. Mal sehen wo die Reise im nächsten Titel hingeht. 8/10